Kommunale Wärmeplanung in Euskirchen abgeschlossen

Die Stadt Euskirchen hat ihre kommunale Wärmeplanung (KWP) erfolgreich abgeschlossen
Der gut 180-seitige Ergebnisbericht wurde am 08.07.2025 vom Rat beschlossen. Ziel ist es, Wege für eine zukunftsfähige, klimaneutrale und sichere Wärmeversorgung aufzuzeigen.
Mit der KWP erfüllt die Stadt die gesetzlichen Anforderungen des Wärmeplanungsgesetzes. In den letzten Monaten hat sie gemeinsam mit den Team Wärmewende von e-regio das gesamte Stadtgebiet analysiert – von bestehenden Heizsystemen bis zu zukünftigen Potenzialen für klimaneutrales Heizen. Die Auswertung macht deutlich: Es gibt nicht flächendeckend die eine optimale Lösung für die Wärmewende – die Optionen unterscheiden sich je nach Stadtteil.
„Mit der kommunalen Wärmeplanung haben wir einen wichtigen ersten Meilenstein gesetzt, um uns aus der Abhängigkeit von fossilen Energien zu lösen und unsere Klimaziele zu erreichen. Jetzt gilt es, gemeinsam passgenaue, wirtschaftliche und technologieoffene Lösungen für unsere Stadt zu entwickeln“, kommentiert Bürgermeister Sacha Reichelt den Bericht.

Wärmezukunft für Euskirchen: Ergebnisse im Überblick
Aktuell wird in Euskirchen noch überwiegend mit fossilen Brennstoffen geheizt. Das soll sich bis 2045 deutlich ändern. Die Wärmeplanung zeigt dazu verschiedene Potenziale auf: In Zukunft könnte etwa ein Drittel der Wärme über klimafreundliche Wärmenetze bereitgestellt werden. Ein weiteres Drittel der Wärme, insbesondere im Industriebereich, könnte über grüne Gase wie Wasserstoff oder Biomethan, abgedeckt werden. „Letzteres wird bereits in Euskirchen erzeugt – das bietet eine interessante Chance für die weitere Planung“, so die Einschätzung von Manuel Thom, Leiter Energiewende-Koordination bei e-regio. Im verbliebenen Drittel sind dezentrale Optionen geeignete Lösungen. Darunter fallen etwa Wärmepumpen, biomassebasierte Heiztechnologien, Solarthermie oder hybride Lösungen. Insbesondere in den ländlicheren Ortsteilen, in denen vorwiegend Ein- und Zweifamilienhäuser vorzufinden sind, werden überwiegend dezentrale Lösungen zum Zug kommen.
Dem aktuell im Bau befindlichen Fernwärmenetz kann bei der Wärmezukunft eine tragende Rolle zukommen. So könnten vergleichsweise viele Bürgerinnen und Bürger zentral, also über das Netz, versorgt werden. Über die City Süd und das neue Quartier werk&wiese hinaus, sind perspektivisch verschiedene Ausdehnungen nach Norden oder Südwesten denkbar.
In der Innenstadt, am aktuellen Standort des Thomas-Esser-Berufskolleg und im IPAS, zeigen die Analysen noch keine klare Präferenz. Deshalb wurden diese Areale als Prüfgebiete ausgewiesen. Hier wird im Nachgang weiter analysiert, wie sich insbesondere gesetzliche Rahmenbedingungen weiterentwickeln und welche Optionen dann eher in Frage kommen.
Orientierung für die Zukunft – keine Verpflichtung
„Die Wärmeplanung bietet den Menschen eine erste Orientierung“, erklärt Manuel Thom. Sie zeigt auf, welche Heiztechnologien in einzelnen Stadtteilen künftig voraussichtlich wirtschaftlich und technisch sinnvoll sein können. Dabei gilt: Die Wärmeplanung ist keine Verpflichtung oder Detailplanung, sondern ein Informations- und Orientierungsangebot. Sie schreibt nicht vor, wie Bürgerinnen und Bürger künftig heizen müssen. Ob die vorgeschlagenen Lösungen tatsächlich umgesetzt werden, ist Gegenstand weiterer Planungen und Prüfungen. „Entscheidend ist jetzt, dass wir den nächsten Schritt gehen“, betont Thom. Der Weg von der Planung bis zur Umsetzung der Wärmewende sei lang und anspruchsvoll – er erfordere kontinuierliches, koordiniertes Handeln.
Ein erfreulicher Nebeneffekt: Durch die Wärmeplanung haben sich wichtige Akteure in der Stadt stärker vernetzt. Handwerk, Unternehmen, Gewerbe, Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung und Energieversorger haben in Workshops zusammengearbeitet – und wollen diesen Dialog fortsetzen.
Nächste Schritte: Von der Planung zur Umsetzung
Auf Basis der KWP werden nun konkrete Konzepte erarbeitet und umgesetzt. Die Stadt hat sich eine Reihe von nächsten Schritten vorgenommen. Oben auf der Liste stehen eine Fernwärmestrategie bis 2045, eine Biomethanstrategie sowie der Ausbau und die Verdichtung des Fernwärmenetzes. Damit der Prozess der Wärmeplanung zielgerichtet fortgeführt werden kann, will die Stadt die organisatorischen Strukturen schaffen und darüber hinaus Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung anbieten.
„Für eine klimaneutrale Zukunft brauchen wir nicht nur technische Lösungen, sondern auch gute Kommunikation, klare Zuständigkeiten und den Dialog mit allen Beteiligten, das ist mir besonders wichtig“, betont Sacha Reichelt.
In fünf Jahren ist zudem eine Überprüfung und Neubewertung der Wärmeplanung gesetzlich vorgeschrieben.